In Charlys Bloggbuch werden ab Januar 2009 regelmäßig Texte und Songtexte von ihm veröffentlicht. Heute ist es:
MACH DOCH MAL WAS VERRÜCKTES
Conny kam vom Timmendorfer Strand
Trampte kreuz und quer durchs Vaterland
Zupfte die Augenbrauen peinlichst genau
Rasierte sich die Beine ganz wie Frau
Sie sagte "Hey Baby, mach doch mal was Verrücktes"
Sagte "Hey mein Schatz, mach doch mal was Verrücktes"
Mandy kam aus dem tiefsten Osten
Und im Hinterzimmer kam jedermann auf ihre Kosten
Doch sie verlor dabei niemals ihren Stolz
Bei jedem neuen Kunden klopfte sie auf Holz
Und sagte "Hey Baby, mach doch mal was Verrücktes"
Sagte "Hey Baby, mach doch mal was Verrücktes"
Und die Engel sangen
Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du
Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du
(Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du)
(Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du)
(Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du)
(Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du)
(Du)
Hänschen setzte immer aufs schnelle Geld
Denn er wusste: Schnelles Geld regiert die Welt!
Ein Scheinchen hier und ein Scheinchen da
In Frankfurt am Main wurde er so zum Star
Er sagte nur "Hey Baby, mach doch mal was Verrücktes"
Ich sagte ihm "Hans, mach doch mal was Verrücktes"
Berberking war der König vom Hafen
Suchte sich was für die Seele und einen guten Platz zum Schlafen
Tagsüber tanzte er durch die Stadt
Der tanzte so gut, da warst Du platt
Sie riefen "Berberking, mach doch mal was Verrücktes"
Ich rief ihm zu "Hey Baby, mach doch mal was Verrücktes"
Am Besten gleich
Jacky trat auf das Gaspedal
War Jimmy Dean für einen ganzen Tag
Kam dann aber auf die Gegenfahrbahn
Valium war nicht ganz schuldlos daran
Sie sagte "Hey Baby, jetzt mach ich mal was Verrücktes"
Ich sagte ihr "Ja mein Schatz, mach doch mal was Verrücktes"
Und die Engel sangen
Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du
Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du
(Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du)
(Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du)
(Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du)
(Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du, Du)
(Du)
[Text: Charly Davidson. Musik von Lou Reed "Take A Walk On The Wild Side"/ 1973, Verlag: worte&musik © 1996]
www.spiritofgermany.de | Aktuelle Informationen zur deutschen Rocklegende (*01.12.1957, †28.11.2008)
Donnerstag, 7. Mai 2009
Montag, 27. April 2009
Montag, der 27. April 2009
Das Magazn KULTURFOCUS führte ein exklusives Gespräch mit Caroline Korff (27), der ältesten Tochter Charly Davidsons, das am Wochenende veröffentlicht werden wird. Hier die Vorabversion:
Frau Korff, am späten Nachmittag des 28. November 2008 ist Ihr Vater mit dem Gleitschirm tödlich verunglückt. Wie und wann erfuhren Sie von dem Unfall?
Caroline Korff: Ich lebe mit meiner eigenen Familie in Frankfurt am Main, aber an jenem Abend war ich weder zu Hause noch erreichbar. Erst am nächsten Morgen erfuhr ich es telefonisch von meiner Mutter. Im Nachhinein betrachtet sehe ich das Ganze nur als tragischen Schlusspunkt einer Veränderung im Weg meines Vaters. Auch im Wesen wurde er immer unsteter.
Sie hatten so ein Ende befürchtet?
Korff: Nein, obwohl mein Vater war schon geraume Zeit sehr krank war. Es wäre durchaus möglich gewesen, dass er die nächsten Jahre nicht mehr erlebt hätte. Aber mit einem plötzlichen Tod rechnet man da nicht.
Woran litt er?
CK: Die Diabetis, wobei er sich hierbei an keinerlei ärztliche Vorgaben hielt und nur selten Medikamente nahm. Ich habe ihm oft gesagt, dass jeder Pudding, den er aß, 25 Gramm Zucker hat, und er aß manchmal vier, fünf von ihnen am Tag. Dann seine Probleme mit dem Herz, auch im übertragenen Sinne. Alles war für ihn imer auch eine Herzensangelegenheit. Wenn ich allein daran denke, wie sehr ihm die zweite Scheidung zugesetzt hat, wie ihn das Drumherum traf, als er nach der Scheidung öffentlich gedemütigt wurde. Am Ende passte bei ihm einiges nicht mehr zusammen. Ich denke, er hatte vor sich selbst und seiner Gesundheit keine Achtung mehr.
Wann sahen Sie ihn das letzte Mal?
CK: Im September, als er von Usedom zurück kam. Da besuchte er uns, also mich meine Schwester und unsere Mutter. Er erzählte von seinem Solo-Urlaub in dere Villa Seedüwel, schwärmte von allem, obwohl es ihm gesundheitlich nicht gut ging, wie wir alle sehen konnten. Es war für mich traurig zu sehen, dass er es offenkundig nicht mehr schaffte, mit sich selbst und den Umständen richtig klarzukommen.
War der Unfall am Ende gar kein Unfall?
CK: Ein geübter Gleitschirmflieger - und mein Vater war ein sehr guter - hätte so einen Flug meistern können. Wie körperlich fit mein Vater kurz vor seinem Unfall war, kann niemand sagen. Er behauptete ja, dass er absolut fit wäre, was man aber sicherlich bezweifelen darf. Um es wertfrei auszudrücken, kann man sagen: sein Tod war ein Verkettung unglücklicher Umstände.
Nachdem feststand, dass er gestorben war, hat Ihre Familie mitgeteilt, die Umstände seines Lebens hätten ihren Vater "gebrochen".
CK: Er war nicht das passive Sandkorn, das im großen Getriebe des Lebens zermalmt wurde. Auslöser für sein Scheitern war er selbst, war seine Entscheidung, unsere Mutter und uns zu verlassen und mit seiner zweiten Frau ein anderes Leben zu beginnen, das dann kläglich gescheitert ist. Solche äußeren Krisen sind aber meiner Meinung nach auch nicht wirklich ausschlaggebend. Nein, meinem Vater wurde zum Verhängnis, dass ihm der innere Kompass abhanden gekommen war.
Er war nicht nur Opfer?
CK: Ich bin jedenfalls anderer Ansicht als der Rest meiner Familie. Die Eheprobleme, erst mit meiner Mutter und dann mit seiner späteren Frau haben nur bloßgelegt, welche Defizite mein Vater durch die Konstruktion seines unüberschaubaren Unternehmensgeflechts hatte.
Wer es gut mit Charly Davidson meinte, sagte, dass er seiner Zeit weit voraus war. Er betrieb als Nicht-Konzern-Einzelmensch ein erstaunlich großes Musikunternehmen, kaufte mit Vorliebe andere kleine Plattenlabels auf, die er für unterbewertet hielt, und finanzierte sie auf Pump. Wie stand die Familie dazu?
CK: Grundsätzliche Fragen wurden bei uns, egal ob vor oder nach der Trennung, viel zu selten gestellt: Was wolle er mit all diesen Firmen? Wofür stehen sie überhaupt? Welches Ziel gibt es ... außer vielleicht Profit? Den vor allem verlor mein Vater in den vergangenen Jahren aus den Augen ...
... bis sein Reich nach seinem Tode hoch verschuldet kollabierte. Ende vergangenen Jahres begannen die Banken, die Kontrolle zu übernehmen.
CK: Das ist ja auch ihr gutes Recht, denn sie hatten ja schließlich fast alles finanziert. Und ohne den Namen meines Vaters als Zugferd mussten sie wohl sehen, wohin alles gehen würde. Ich selbst habe mich über die Jahre immer öfter gefragt, wem er eigentlich was damit beweisen wollte.
So was klang für Ihren Vater sicher viel zu wenig künstlerisch.
CK: Wie sonst definiert sich eine Firma? Sie ist ein Kreislauf aus Entwicklung, Produktion und Verkauf von Produkten. Für mich ist es erstaunlich, wie viele Leute auch in Deutschland der Illusion anhängen: Wenn etwas groß ist, muss es auch gut sein. Eigentlich erschreckend, wie wenige das hinterfragen. Auch bei uns zu Hause wurde das einfach stillschweigend so gelebt.
Und Sie schwiegen mit?
CK: Ach, wissen Sie, es gab da auch absurde Momente. Nachdem er uns verlassen hatte, kam er trotzdem noch oft vorbei, meistens wenn Mutter nicht zuhause war, und bot mir Beteiligungen an einer seiner Fimen an: Best Side Records, CBQ, Spirit Of Germany, Worte & Musik und wie sie alle hießen. Da hab ich ihn mal gefragt "Was bezweckst Du mit all dem?", aber das verstand er nicht. Er meinte, er tue mir etwas Gutes damit, dass er mich an einer seiner Aktivitäten beteiligt.
Ihr Vater setzte also mehr auf externe Berater als auf die Meinung seiner Kinder.
CK: Men Vater verweigerte sich, ein Testament zu machen. Das hat er oft genug gesagt und meine Schwester und ich wussten, dass wir dann automatisch einmal die Erben sein würden. Ich denke, er hätte hier viel mehr auf uns hören sollen.
Stimmt es tatsächlich, dass es kein Testament Ihres Vaters gibt?
CK: Darüber wurde nach seinem Tode erheblich spekuliert, aber, ja, es gibt definitiv kein Testament. Sonst hätten wir den Erbschein nicht ausgestellt bekommen.
Was wird von Charly Davidsons Musik-Imperium übrig bleiben?
CK: Idell ist nichts übriggeblieben.
Und finanziell?
CK: Noch mal: Mein Gefühl war schon seit längerem, dass dieses verschachtelte Firmenkonstrukt nicht mehr funktionieren kann. Auch meine Schwester sieht das inzwischen so. Aktiv steuerbar ist heute ohnehin nichts mehr und da haben wir als erstes das Tonstudio in Hanau auflösen müssen, denn wir haben ja als Erben auch Vieles im Voraus zu bezahlen gehabt.
Hatten Sie seit dem Tod Ihres Vaters Gelegenheit, das Geschehene mit Ihrer Schwester und Ihrer Mutter aufzuarbeiten?
CK: Nein, auch wenn ich mir das wünschen würde. Die Ansichten zu vielen Dingen sind immer noch sehr unterschiedlich.
Ihre Mutter hat sich zurückgezogen. Ihre Schwester lebt in München. Sie selbst müssen derzeit für alles geradestehen, denn sie haben in den letzten Jahren wohl auch Verträge unterschrieben im Vertrauen darauf, ihr Vater werde schon wissen, was er tue?
CK: Nein, ich wollte zunächst immer wissen und verstehen, was ich unterschreibe. Das störte ihn aber eher. Jedenfalls werde ich auch in Zukunft jede mich betreffende Frage beantworten. Die Aufräumarbeiten beginnen gerade erst. Auch finanziell.
Sie haben einen Bekannten Ihrer Familie gebeten, ein Buch über das Leben Ihres Vaters zu schreiben. Wenn Sie sich Aufstieg und Niedergang Ihres Vaters ansehen - sehen Sie Parallelen zu so etwas wie den "Buddenbrooks" von Thomas Mann?
CK: Ich sehe Literatur überhaupt als wichtige Hilfe, Dinge zu reflektieren.
Wie viel Geld wird am Ende Ihnen und Ihrer Schwester übrig bleiben?
CK: Wir hoffen mit der Zeit immer mehr. Momentan ist alles schwierig. Jeder will Geld von uns, wir selbst haben immer noch keinen exakten Überblick, welches Vermögen mein Vater wo und wie hat oder hatte. Aber wir haben immer noch Menschen, die uns helfen, das alles zu überstehen. Und es gibt auch noch Geldinstitute, die uns, gegen Sicherheiten natürlich, Geld geben. Einige Freunde haben ein Großteil der Musikinstrumentensammlung meines Vaters übernommen, also abgekauft. So bleibt die wenigstens ziemlich kompakt erhalten. Vielleicht kommt auch wieder einmal die Zeit, wo man auf den Namen Korff oder Davidson uneingeschränkt stolz sein kann.
Frau Korff, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Frau Korff, am späten Nachmittag des 28. November 2008 ist Ihr Vater mit dem Gleitschirm tödlich verunglückt. Wie und wann erfuhren Sie von dem Unfall?
Caroline Korff: Ich lebe mit meiner eigenen Familie in Frankfurt am Main, aber an jenem Abend war ich weder zu Hause noch erreichbar. Erst am nächsten Morgen erfuhr ich es telefonisch von meiner Mutter. Im Nachhinein betrachtet sehe ich das Ganze nur als tragischen Schlusspunkt einer Veränderung im Weg meines Vaters. Auch im Wesen wurde er immer unsteter.
Sie hatten so ein Ende befürchtet?
Korff: Nein, obwohl mein Vater war schon geraume Zeit sehr krank war. Es wäre durchaus möglich gewesen, dass er die nächsten Jahre nicht mehr erlebt hätte. Aber mit einem plötzlichen Tod rechnet man da nicht.
Woran litt er?
CK: Die Diabetis, wobei er sich hierbei an keinerlei ärztliche Vorgaben hielt und nur selten Medikamente nahm. Ich habe ihm oft gesagt, dass jeder Pudding, den er aß, 25 Gramm Zucker hat, und er aß manchmal vier, fünf von ihnen am Tag. Dann seine Probleme mit dem Herz, auch im übertragenen Sinne. Alles war für ihn imer auch eine Herzensangelegenheit. Wenn ich allein daran denke, wie sehr ihm die zweite Scheidung zugesetzt hat, wie ihn das Drumherum traf, als er nach der Scheidung öffentlich gedemütigt wurde. Am Ende passte bei ihm einiges nicht mehr zusammen. Ich denke, er hatte vor sich selbst und seiner Gesundheit keine Achtung mehr.
Wann sahen Sie ihn das letzte Mal?
CK: Im September, als er von Usedom zurück kam. Da besuchte er uns, also mich meine Schwester und unsere Mutter. Er erzählte von seinem Solo-Urlaub in dere Villa Seedüwel, schwärmte von allem, obwohl es ihm gesundheitlich nicht gut ging, wie wir alle sehen konnten. Es war für mich traurig zu sehen, dass er es offenkundig nicht mehr schaffte, mit sich selbst und den Umständen richtig klarzukommen.
War der Unfall am Ende gar kein Unfall?
CK: Ein geübter Gleitschirmflieger - und mein Vater war ein sehr guter - hätte so einen Flug meistern können. Wie körperlich fit mein Vater kurz vor seinem Unfall war, kann niemand sagen. Er behauptete ja, dass er absolut fit wäre, was man aber sicherlich bezweifelen darf. Um es wertfrei auszudrücken, kann man sagen: sein Tod war ein Verkettung unglücklicher Umstände.
Nachdem feststand, dass er gestorben war, hat Ihre Familie mitgeteilt, die Umstände seines Lebens hätten ihren Vater "gebrochen".
CK: Er war nicht das passive Sandkorn, das im großen Getriebe des Lebens zermalmt wurde. Auslöser für sein Scheitern war er selbst, war seine Entscheidung, unsere Mutter und uns zu verlassen und mit seiner zweiten Frau ein anderes Leben zu beginnen, das dann kläglich gescheitert ist. Solche äußeren Krisen sind aber meiner Meinung nach auch nicht wirklich ausschlaggebend. Nein, meinem Vater wurde zum Verhängnis, dass ihm der innere Kompass abhanden gekommen war.
Er war nicht nur Opfer?
CK: Ich bin jedenfalls anderer Ansicht als der Rest meiner Familie. Die Eheprobleme, erst mit meiner Mutter und dann mit seiner späteren Frau haben nur bloßgelegt, welche Defizite mein Vater durch die Konstruktion seines unüberschaubaren Unternehmensgeflechts hatte.
Wer es gut mit Charly Davidson meinte, sagte, dass er seiner Zeit weit voraus war. Er betrieb als Nicht-Konzern-Einzelmensch ein erstaunlich großes Musikunternehmen, kaufte mit Vorliebe andere kleine Plattenlabels auf, die er für unterbewertet hielt, und finanzierte sie auf Pump. Wie stand die Familie dazu?
CK: Grundsätzliche Fragen wurden bei uns, egal ob vor oder nach der Trennung, viel zu selten gestellt: Was wolle er mit all diesen Firmen? Wofür stehen sie überhaupt? Welches Ziel gibt es ... außer vielleicht Profit? Den vor allem verlor mein Vater in den vergangenen Jahren aus den Augen ...
... bis sein Reich nach seinem Tode hoch verschuldet kollabierte. Ende vergangenen Jahres begannen die Banken, die Kontrolle zu übernehmen.
CK: Das ist ja auch ihr gutes Recht, denn sie hatten ja schließlich fast alles finanziert. Und ohne den Namen meines Vaters als Zugferd mussten sie wohl sehen, wohin alles gehen würde. Ich selbst habe mich über die Jahre immer öfter gefragt, wem er eigentlich was damit beweisen wollte.
So was klang für Ihren Vater sicher viel zu wenig künstlerisch.
CK: Wie sonst definiert sich eine Firma? Sie ist ein Kreislauf aus Entwicklung, Produktion und Verkauf von Produkten. Für mich ist es erstaunlich, wie viele Leute auch in Deutschland der Illusion anhängen: Wenn etwas groß ist, muss es auch gut sein. Eigentlich erschreckend, wie wenige das hinterfragen. Auch bei uns zu Hause wurde das einfach stillschweigend so gelebt.
Und Sie schwiegen mit?
CK: Ach, wissen Sie, es gab da auch absurde Momente. Nachdem er uns verlassen hatte, kam er trotzdem noch oft vorbei, meistens wenn Mutter nicht zuhause war, und bot mir Beteiligungen an einer seiner Fimen an: Best Side Records, CBQ, Spirit Of Germany, Worte & Musik und wie sie alle hießen. Da hab ich ihn mal gefragt "Was bezweckst Du mit all dem?", aber das verstand er nicht. Er meinte, er tue mir etwas Gutes damit, dass er mich an einer seiner Aktivitäten beteiligt.
Ihr Vater setzte also mehr auf externe Berater als auf die Meinung seiner Kinder.
CK: Men Vater verweigerte sich, ein Testament zu machen. Das hat er oft genug gesagt und meine Schwester und ich wussten, dass wir dann automatisch einmal die Erben sein würden. Ich denke, er hätte hier viel mehr auf uns hören sollen.
Stimmt es tatsächlich, dass es kein Testament Ihres Vaters gibt?
CK: Darüber wurde nach seinem Tode erheblich spekuliert, aber, ja, es gibt definitiv kein Testament. Sonst hätten wir den Erbschein nicht ausgestellt bekommen.
Was wird von Charly Davidsons Musik-Imperium übrig bleiben?
CK: Idell ist nichts übriggeblieben.
Und finanziell?
CK: Noch mal: Mein Gefühl war schon seit längerem, dass dieses verschachtelte Firmenkonstrukt nicht mehr funktionieren kann. Auch meine Schwester sieht das inzwischen so. Aktiv steuerbar ist heute ohnehin nichts mehr und da haben wir als erstes das Tonstudio in Hanau auflösen müssen, denn wir haben ja als Erben auch Vieles im Voraus zu bezahlen gehabt.
Hatten Sie seit dem Tod Ihres Vaters Gelegenheit, das Geschehene mit Ihrer Schwester und Ihrer Mutter aufzuarbeiten?
CK: Nein, auch wenn ich mir das wünschen würde. Die Ansichten zu vielen Dingen sind immer noch sehr unterschiedlich.
Ihre Mutter hat sich zurückgezogen. Ihre Schwester lebt in München. Sie selbst müssen derzeit für alles geradestehen, denn sie haben in den letzten Jahren wohl auch Verträge unterschrieben im Vertrauen darauf, ihr Vater werde schon wissen, was er tue?
CK: Nein, ich wollte zunächst immer wissen und verstehen, was ich unterschreibe. Das störte ihn aber eher. Jedenfalls werde ich auch in Zukunft jede mich betreffende Frage beantworten. Die Aufräumarbeiten beginnen gerade erst. Auch finanziell.
Sie haben einen Bekannten Ihrer Familie gebeten, ein Buch über das Leben Ihres Vaters zu schreiben. Wenn Sie sich Aufstieg und Niedergang Ihres Vaters ansehen - sehen Sie Parallelen zu so etwas wie den "Buddenbrooks" von Thomas Mann?
CK: Ich sehe Literatur überhaupt als wichtige Hilfe, Dinge zu reflektieren.
Wie viel Geld wird am Ende Ihnen und Ihrer Schwester übrig bleiben?
CK: Wir hoffen mit der Zeit immer mehr. Momentan ist alles schwierig. Jeder will Geld von uns, wir selbst haben immer noch keinen exakten Überblick, welches Vermögen mein Vater wo und wie hat oder hatte. Aber wir haben immer noch Menschen, die uns helfen, das alles zu überstehen. Und es gibt auch noch Geldinstitute, die uns, gegen Sicherheiten natürlich, Geld geben. Einige Freunde haben ein Großteil der Musikinstrumentensammlung meines Vaters übernommen, also abgekauft. So bleibt die wenigstens ziemlich kompakt erhalten. Vielleicht kommt auch wieder einmal die Zeit, wo man auf den Namen Korff oder Davidson uneingeschränkt stolz sein kann.
Frau Korff, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Montag, 13. April 2009
Montag, der 13. April 2009
In Charlys Bloggbuch werden ab Januar 2009 regelmäßig Texte und Songtexte von ihm veröffentlicht. Heute ist es:
NICHTS ALS DIE WAHRHEIT
Ich hab Dir / nichts als die Wahrheit / mitgebracht.
Das ist alles, was ich Dir noch geben kann.
Ich hab Dir / nichts als die Wahrheit / mitgebracht
und nun schaust Du mich fragend an.
Die Wahrheit ist oft das Letzte / was uns von den Lippen kommt,
meistens klärt sie alte Lügen auf.
Dabei sollte sie doch für alle Zeit / unser Lebensstandart sein,
doch das wäre wohl zu schön um wahr zu sein.
Der Mensch, der soll wahrhaftig sein / unsere Chancen dazu sind trotzdem klein,
man überschüttet uns mit viel reinem Wein / doch wir halten jeder Droge stand.
In der Kür sind wir voll Ehrgeiz / unsere Wahrheitspflicht ist Anreiz,
doch den Beweis bleiben wir schuldig / und das Schwindeln geht los.
Deshalb hab ich Dir / nichts als die Wahrheit / mitgebracht.
Das ist alles, was zwischen uns beiden zählt.
Ich hab Dir / nichts als die Wahrheit / mitgebracht
denn ich merke, dass Dich irgendetwas quält.
Mit weit geschlossnen Augen / reden wir aufeinander ein,
verwahrheitlost und weit ab vom Gefühl,
das der Andere von uns / noch in sich behütet hat,
und wir sagen, dass wir es gerade deshalb tun.
Die Wahrheit klingt oft kläglich / ihre Details sind meist unsäglich
ihre Klarheit unerträglich / deshalb gehen wir schlecht mit ihr um.
Doch jetzt wo die Fakten sprechen / bleibt keine Zeit mehr sie zu rächen,
die Wahrheit selbst ist das Verbrechen / und der Bote, der wird umgebracht.
Ich hab Dir / nichts als die Wahrheit / mitgebracht.
Das ist alles, was uns beiden noch bleibt.
Ich hab Dir / nichts als die Wahrheit / mitgebracht
und unser Weg, der ist nun vorbei.
[Text: Charly Davidson, Verlag: worte&musik © 2008]
NICHTS ALS DIE WAHRHEIT
Ich hab Dir / nichts als die Wahrheit / mitgebracht.
Das ist alles, was ich Dir noch geben kann.
Ich hab Dir / nichts als die Wahrheit / mitgebracht
und nun schaust Du mich fragend an.
Die Wahrheit ist oft das Letzte / was uns von den Lippen kommt,
meistens klärt sie alte Lügen auf.
Dabei sollte sie doch für alle Zeit / unser Lebensstandart sein,
doch das wäre wohl zu schön um wahr zu sein.
Der Mensch, der soll wahrhaftig sein / unsere Chancen dazu sind trotzdem klein,
man überschüttet uns mit viel reinem Wein / doch wir halten jeder Droge stand.
In der Kür sind wir voll Ehrgeiz / unsere Wahrheitspflicht ist Anreiz,
doch den Beweis bleiben wir schuldig / und das Schwindeln geht los.
Deshalb hab ich Dir / nichts als die Wahrheit / mitgebracht.
Das ist alles, was zwischen uns beiden zählt.
Ich hab Dir / nichts als die Wahrheit / mitgebracht
denn ich merke, dass Dich irgendetwas quält.
Mit weit geschlossnen Augen / reden wir aufeinander ein,
verwahrheitlost und weit ab vom Gefühl,
das der Andere von uns / noch in sich behütet hat,
und wir sagen, dass wir es gerade deshalb tun.
Die Wahrheit klingt oft kläglich / ihre Details sind meist unsäglich
ihre Klarheit unerträglich / deshalb gehen wir schlecht mit ihr um.
Doch jetzt wo die Fakten sprechen / bleibt keine Zeit mehr sie zu rächen,
die Wahrheit selbst ist das Verbrechen / und der Bote, der wird umgebracht.
Ich hab Dir / nichts als die Wahrheit / mitgebracht.
Das ist alles, was uns beiden noch bleibt.
Ich hab Dir / nichts als die Wahrheit / mitgebracht
und unser Weg, der ist nun vorbei.
[Text: Charly Davidson, Verlag: worte&musik © 2008]
Samstag, 28. März 2009
Samstag, der 28. März 2009
„Ich bin zum Orson Welles der Musikindustrie geworden. Man will mit mir Mittag essen, aber niemand will den Film finanzieren.“ (Scott Walker)Mit diesem Zitat wird Rainer W. Sauer sein geplantes Buch "Rocklegende" über Charly Davidson einleiten, wie er gestern bei RADIO JENA erklärte. Es sage viel über den späten Charly Davidson aus, gesagt hat es aber, so Sauer, ein ganz anderer und zwar der ex-kommerziell orientierte "Walker Brothers"-Boss Scott Walker ("The Sun Aint Gonna Shine Any More"), der seit mehr als einem Vierteljahrhundert als unkommerzieller und somit 'wahrer' Musik-Künstler wirkt.
Nachdem er den Spät-Sechziger Split seiner Band (Walker war der Bassist und gleichzeitig Leadsänger, John Maus* der WB-Gitarrist und Sänger und Gary Leeds der Schlagzeuger der "Walker Brothers") mit vier Solo-LPs kompensierte, versuchte Walker Mitte der 70er-Jahre den kommerziellen Erfolg durch eine Reunion der "Walker Brothers" zurück zu holen. Nachdem dies jedoch, wie Rainer Sauer gestern im Radio erzählte, den erwünschten Erfolg vermissen ließ, versuchte Scott Walker unter dem schützenden Signet seiner "Walker Brothers" (oder den "Brothers that never were", wie er es ausdrückte) einen künstlerischen Befreiungsschlag: mit textlixh wie musikalisch anspruchsvollen Kompositionen.
Doch auch dies fruchtete nicht und bei seinen Livekonzerten hinterlies er damals teil ungläubige, teils verzweifelte "Walker Brothers"-Fans, die sich fassungslos mit den unkommerziellen Früchten von Walkers Arbeit herumplagen mussten. Ohne jeglichen kommerziellen Erfolg zu haben warb ihn die Plattenfirma VIRGIN RECORDS an und das daraufhin von VIRGIN im Jahre 1983 veröffentlichte Album "Climate Of Hunter" wurde das am schlechtesten verkaufte Album des Labels; hoch gelobt zwar von den Kritikern war dieses Album für VIRGIN ein finanzielles Desaster. Als publik wurde, dass Scott Walker seinerzeit erhebliche Alkohol- und Drogenprobleme hatte, kündigte VIRGIN Walkers vertrag.
Bei einem anderen Label folgte mehr als ein Jahrzehnt später mit "Tilt" eine Platte, die seine Fans endgültig in zwei Lager spaltete. War "Tilt" z. B. für David Bowie das (Zitat) "beste Album aller Zeiten", schrieb der Kritiker des NEW MUSICAL EXPRESS, die Scheibe sei schlicht und einfach eine Verarsche und (Zitat) "Shit Of Art". Bowie meinte es dagegen ehrlich und produzierte einen, die Aufnahmen zum nächsten Walker-Album begleitenden, Film über Scott Walker unter dem Titel "30 Century Man". Die entsprechende Platte "The Drift" erschien 2006, elf Jahre nach "Tilt" und zweiundzwanzig nach "Climate Of Hunter". Wie Rainer Sauer erzählte, liebte Charly Davidson alles, was Scott Walker jemals geschaffen hat, vor allem aber dessen Album-Trilogie "Climate Of Hunter"/"Tilt"/"The Drift". Grund genug für Sauer, wie er sagte, die Persönlichkeit Walkers in der "Rocklegende" zu verankern und zwar zum einen in der Zahl "11" und zum anderen in Charly Davidsons eigener "Todes-Album-Trilogie" (wie der SPIEGEL sie einmal bezeichnete) "DIE LETZTE ÖLUNG"/"BEGRÄBNIS"/"WISSEN-SCHAFFT-MACHT" sowie dem Einleitungszitat über Orson Welles.
Anders als Charly Davidson lebt Scott Walker noch, wurde im Januar 2009 sechsundsechzig Jahre alt und arbeitet weiterhin an der De-Kommerzialisierung der populären Musik.
*= weder verwandt oder verschwägert mit Ursula Maus
Dienstag, 24. März 2009
Dienstag, der 24. März 2009
In Charlys Bloggbuch werden ab Januar 2009 regelmäßig Texte und Songtexte von ihm veröffentlicht. Heute ist es:
SELTSAM (oder: Wie ich lernte, mich nicht mehr zu verstehen)
„Was der Reaktionär sagt, interessiert nie jemanden. Weder wenn er es sagt, denn dann erscheint es absurd,noch nach einigen Jahren, denn dann erscheint es offenkundig“ (Nicolás Gómez Dávila)
Der Diskontsatz wurde abgeschafft. Hatten Sie das gewusst? Hatten Sie das überhaupt mitbekommen? Ich jedenfalls nicht. Und ich habe den Eindruck, dass man in Deutschland neben dem Diskontsatz inzwischen auch so manch anderem Satz abgeschafft hat. ... wie bitte? ... ach so, ich glaube ich sollte mich Ihnen erst einmal vorstellen.
Mein Name ist Charly Davidson, ich bin Liederpoet, Rockmacher, Literatender ohne feste Antwort, Deutschlands letzte Hoffnung auf den Popolymp, zur Zeit etwas desillusioniert, was die Tatsache angeht, von Musik und Kunst allein leben zu können. Ich mache da keine Kompromisse ... ich bin nämlich selbst einer. Schon immer gewesen und doch selten erreicht. - Jetzt also spreche ich zu Ihnen ... und das kam so:
1982 habe ich meine erste Platte gemacht. Aber Schallplatten macht man nicht einfach: Sie werden gemacht. Mit einem oder ohne einen. Ich jedenfalls machte damals gute Texte. Fünf Jahre hatte es gedauert, bis ich es von meinem Engagement bei der Politrockgruppe PROTEST (jawohl: Politrockgruppe, so lautete damals die korrekte politische Bezeichnung) geschafft hatte zur eigenen Band namens BEGLEITUNG. Charly Davidson und BEGLEITUNG; wir waren damals die Abräumer bei allen lokalen "Rock gegen Rechts"- und "Anti-Strauß"- Veranstaltungen östlichtlich des Rheins. Und dann kam das BLUE LIPS Label und wollte unbedingt eine Platte mit uns machen. So fing alles an, 1982. Kurz stellte ich mir seinerzeit die alles entscheidende Frage, ob man als "Charly Davidson" mit Deutsch-Rock Karriere machen kann. Aber unter meinem richtigen Namen Karl David Korff ging das eh nicht und waren nicht andererseits Leute wie Roy Black oder Jack White nicht auch mit englischen Künstlernamen erfolgreich. Zwar nicht im Deutschrock, aber immerhin.
1982 erschien das erste Album von Charly Davidson, die "KONTAKTAUFNAHME". Lukas Linde und ich schrieben alle Songs und ich sang, weil ich ja sowieso alle Texte geschrieben hatte. 1983 kam dann mit "DAS KLEINE MAL" die zweite Platte auf den Markt und schon ging es los mit der Frage "Wie kommen wir die nächsten drei Wochen über die Runden?". "DAS KLEINE MAL" verkaufte sich schlecht, aber wir duften noch eine weitere Platte machen und so nahmen wir 1984 die "ZEICHENSPRACHE" auf mit Erfolgsproduzent Ronny Punk. Der nicht nur so hieß, sondern auch echt gut produzieren konnte. So kam es zu meinen ersten Single-Charts-Erfolgen erst mit "Buschmann" ( B-Seite "Das Kommunikationsproblem") und dann Ende 1984 "Man soll nicht alles machen, was gut riecht". Lukas und ich hatten in dieser Zeit viel Spaß miteinander, ich meine jetzt rein musikalisch. Diese blöden Gerüchte, dass ich sch-schwul sei, nur weil Lukas schwul war. Bis heute geht das so. Und nur wegen dieser Textzeile in "Man soll nicht alles machen": "...Liebe ist grenzenlos, Liebe ist zeitlos, Liebe ist geschlechtslos, Liebe bist Du.". Den Titel "Man soll nicht alles machen, was gut riecht" haben sowieso die wenigsten verstanden. Ich wollte damit sagen: "Traue niemandem. Außer Dir selbst, vor allem wenn verlockende Angebote vorliegen" ... dieser Titel wäre aber dann doch zu lang gewesen, "Traue niemandem. Außer Dir selbst, vor allem wenn verlockende Angebote vorliegen".
Ende '84 bis Mitte '85 gingen wir wieder auf Tour und da lief dann alles irgendwie merkwürdig. Es gab damals folgende Situation. Es eröffnete sich für mich die Möglichkeit zu einer Major-Firma zu wechseln, zur GLOBA. Ein übermäßig gut dotierter Vertrag für drei Produktionen in den nächsten Jahren. Bedingung: Ich musste mich von Lukas trennen - Alternativen gab es keine. Aber, wie sag ich's meinem Partner? Wohl dem, der eine Ehefrau hat, die das ungefragt und ohne einen davon in Kenntnis zu setzen macht. Die hatte ich nun aber nicht, oder noch nicht oder nicht mehr. Ist auch nicht wichtig, denn ich habe es sowieso vergessen... ...Wie meinen? ... Mit Lukas reden? Mit dem besten Gitarristen, gerade wieder frisch gewählt in SOUNDS? Also bitte, nicht mir mir!!!
So musste ich damals eine andere Taktik wählen. Ich entschloss mich für das plötzlich auftretende Krankheitsbild. Edgar Froese fiel vom Pferd, als die '77er-US-Tour von TANGERINE DREAM abgesagt werden musste. Knöchel gebrochen. An langes Sitzen während der Auftritte war nicht zu denken. Ergo: Konzerte abgesagt. Danach Wunderheilung des Fußes, weil einer aus der Band ausgestiegen war.
Aber, was blieb mir zum Handeln übrig? Pseudo-Krebs, Blitz-Ab-Leiterentzündung, Schlag-Anfall? Kein Gedanke! Charly Davidson-Korff ging damals zu einem Psychologen, Dr. Friedrich Gabelsberger. "So, so", sagte er. "Da geht es ihnen also gerade mal so. Gerade noch mal so und so" - Es war irgendwie seltsam: Ich verstand ihn nicht. Gut, dachte ich damals, das fängt ja schön an. Aktenzeichen 1 U 1025/00 vom 24. 07. 2001, sage ich heute. So weit ging das dann später. Ich hoffe, Sie können mir noch folgen. Also: Ich verstand ihn nicht. Ich sah ihn reden, aber es kam trotzdem kein Wort aus seinem Mund. Ich sah nur die Bewegungen seiner Lippen. Und dabei konnte ich ihn trotzdem hören. Nur eben nicht verstehen (Ich möchte noch anmerken, dass ich selbstverständlich keine Drogen einnehme). Sollte ich dies doch einmal machen müssen, dann schließe ich die Augen und sehe nichts. Die drei Affen, Sie verstehen: Nichts sprechen, nichts sehen, nichts hören ... Richtig, dachte ichmir ... das wäre es doch, nein (was dachte ich damals): Das wars! Nichts hören. Einfach die Ohren zu und durch. Hörsturz. Die Fähigkeit, interessiert einem Gespräch zu folgen und trotzdem nichts zu verstehen. Wird übrigens viel öfter in unserer Gesellschaft praktiziert, als man so gemein hin hört. Philantrophen haben das vor vielen Jahren kultiviert.
Und: Eine Zeit lang nichts mehr zu verstehen, das ist doch schließlich kein Beinbruch. Oder Knöchelbruch, Blitz-Ab-Leiter-Entzündung oder Pseudokrebs. So lernte ich bei Dr. Gabelsberger, damals im Mai vor zwanzig Jahren, mich nicht mehr zu verstehen. Und es klappte: Die zusätzlichen Konzerte der Tour mussten abgesagt werden. Zum ersten Mal in meiner Karriere. Denn ich war ja krank. Vieles kann einen krank machen. Lärm, Panik, sogar echte Krankheiten. Jedenfalls manchmal. So kam es, wie es kommen musste. Lukas und ich trennten uns. Weil wir uns nicht mehr verstanden, verstehe das wer will.
Ist das nicht seltsam, wie ich lernte mich nicht mehr zu verstehen. Und das Verrückteste war: dadurch verstand ich später viele Dinge in meinem Leben besser.
Text: Charly Davidson, Verlag: worte&musik © 2004]
SELTSAM (oder: Wie ich lernte, mich nicht mehr zu verstehen)
„Was der Reaktionär sagt, interessiert nie jemanden. Weder wenn er es sagt, denn dann erscheint es absurd,noch nach einigen Jahren, denn dann erscheint es offenkundig“ (Nicolás Gómez Dávila)
Der Diskontsatz wurde abgeschafft. Hatten Sie das gewusst? Hatten Sie das überhaupt mitbekommen? Ich jedenfalls nicht. Und ich habe den Eindruck, dass man in Deutschland neben dem Diskontsatz inzwischen auch so manch anderem Satz abgeschafft hat. ... wie bitte? ... ach so, ich glaube ich sollte mich Ihnen erst einmal vorstellen.
Mein Name ist Charly Davidson, ich bin Liederpoet, Rockmacher, Literatender ohne feste Antwort, Deutschlands letzte Hoffnung auf den Popolymp, zur Zeit etwas desillusioniert, was die Tatsache angeht, von Musik und Kunst allein leben zu können. Ich mache da keine Kompromisse ... ich bin nämlich selbst einer. Schon immer gewesen und doch selten erreicht. - Jetzt also spreche ich zu Ihnen ... und das kam so:
1982 habe ich meine erste Platte gemacht. Aber Schallplatten macht man nicht einfach: Sie werden gemacht. Mit einem oder ohne einen. Ich jedenfalls machte damals gute Texte. Fünf Jahre hatte es gedauert, bis ich es von meinem Engagement bei der Politrockgruppe PROTEST (jawohl: Politrockgruppe, so lautete damals die korrekte politische Bezeichnung) geschafft hatte zur eigenen Band namens BEGLEITUNG. Charly Davidson und BEGLEITUNG; wir waren damals die Abräumer bei allen lokalen "Rock gegen Rechts"- und "Anti-Strauß"- Veranstaltungen östlichtlich des Rheins. Und dann kam das BLUE LIPS Label und wollte unbedingt eine Platte mit uns machen. So fing alles an, 1982. Kurz stellte ich mir seinerzeit die alles entscheidende Frage, ob man als "Charly Davidson" mit Deutsch-Rock Karriere machen kann. Aber unter meinem richtigen Namen Karl David Korff ging das eh nicht und waren nicht andererseits Leute wie Roy Black oder Jack White nicht auch mit englischen Künstlernamen erfolgreich. Zwar nicht im Deutschrock, aber immerhin.
1982 erschien das erste Album von Charly Davidson, die "KONTAKTAUFNAHME". Lukas Linde und ich schrieben alle Songs und ich sang, weil ich ja sowieso alle Texte geschrieben hatte. 1983 kam dann mit "DAS KLEINE MAL" die zweite Platte auf den Markt und schon ging es los mit der Frage "Wie kommen wir die nächsten drei Wochen über die Runden?". "DAS KLEINE MAL" verkaufte sich schlecht, aber wir duften noch eine weitere Platte machen und so nahmen wir 1984 die "ZEICHENSPRACHE" auf mit Erfolgsproduzent Ronny Punk. Der nicht nur so hieß, sondern auch echt gut produzieren konnte. So kam es zu meinen ersten Single-Charts-Erfolgen erst mit "Buschmann" ( B-Seite "Das Kommunikationsproblem") und dann Ende 1984 "Man soll nicht alles machen, was gut riecht". Lukas und ich hatten in dieser Zeit viel Spaß miteinander, ich meine jetzt rein musikalisch. Diese blöden Gerüchte, dass ich sch-schwul sei, nur weil Lukas schwul war. Bis heute geht das so. Und nur wegen dieser Textzeile in "Man soll nicht alles machen": "...Liebe ist grenzenlos, Liebe ist zeitlos, Liebe ist geschlechtslos, Liebe bist Du.". Den Titel "Man soll nicht alles machen, was gut riecht" haben sowieso die wenigsten verstanden. Ich wollte damit sagen: "Traue niemandem. Außer Dir selbst, vor allem wenn verlockende Angebote vorliegen" ... dieser Titel wäre aber dann doch zu lang gewesen, "Traue niemandem. Außer Dir selbst, vor allem wenn verlockende Angebote vorliegen".
Ende '84 bis Mitte '85 gingen wir wieder auf Tour und da lief dann alles irgendwie merkwürdig. Es gab damals folgende Situation. Es eröffnete sich für mich die Möglichkeit zu einer Major-Firma zu wechseln, zur GLOBA. Ein übermäßig gut dotierter Vertrag für drei Produktionen in den nächsten Jahren. Bedingung: Ich musste mich von Lukas trennen - Alternativen gab es keine. Aber, wie sag ich's meinem Partner? Wohl dem, der eine Ehefrau hat, die das ungefragt und ohne einen davon in Kenntnis zu setzen macht. Die hatte ich nun aber nicht, oder noch nicht oder nicht mehr. Ist auch nicht wichtig, denn ich habe es sowieso vergessen... ...Wie meinen? ... Mit Lukas reden? Mit dem besten Gitarristen, gerade wieder frisch gewählt in SOUNDS? Also bitte, nicht mir mir!!!
So musste ich damals eine andere Taktik wählen. Ich entschloss mich für das plötzlich auftretende Krankheitsbild. Edgar Froese fiel vom Pferd, als die '77er-US-Tour von TANGERINE DREAM abgesagt werden musste. Knöchel gebrochen. An langes Sitzen während der Auftritte war nicht zu denken. Ergo: Konzerte abgesagt. Danach Wunderheilung des Fußes, weil einer aus der Band ausgestiegen war.
Aber, was blieb mir zum Handeln übrig? Pseudo-Krebs, Blitz-Ab-Leiterentzündung, Schlag-Anfall? Kein Gedanke! Charly Davidson-Korff ging damals zu einem Psychologen, Dr. Friedrich Gabelsberger. "So, so", sagte er. "Da geht es ihnen also gerade mal so. Gerade noch mal so und so" - Es war irgendwie seltsam: Ich verstand ihn nicht. Gut, dachte ich damals, das fängt ja schön an. Aktenzeichen 1 U 1025/00 vom 24. 07. 2001, sage ich heute. So weit ging das dann später. Ich hoffe, Sie können mir noch folgen. Also: Ich verstand ihn nicht. Ich sah ihn reden, aber es kam trotzdem kein Wort aus seinem Mund. Ich sah nur die Bewegungen seiner Lippen. Und dabei konnte ich ihn trotzdem hören. Nur eben nicht verstehen (Ich möchte noch anmerken, dass ich selbstverständlich keine Drogen einnehme). Sollte ich dies doch einmal machen müssen, dann schließe ich die Augen und sehe nichts. Die drei Affen, Sie verstehen: Nichts sprechen, nichts sehen, nichts hören ... Richtig, dachte ichmir ... das wäre es doch, nein (was dachte ich damals): Das wars! Nichts hören. Einfach die Ohren zu und durch. Hörsturz. Die Fähigkeit, interessiert einem Gespräch zu folgen und trotzdem nichts zu verstehen. Wird übrigens viel öfter in unserer Gesellschaft praktiziert, als man so gemein hin hört. Philantrophen haben das vor vielen Jahren kultiviert.
Und: Eine Zeit lang nichts mehr zu verstehen, das ist doch schließlich kein Beinbruch. Oder Knöchelbruch, Blitz-Ab-Leiter-Entzündung oder Pseudokrebs. So lernte ich bei Dr. Gabelsberger, damals im Mai vor zwanzig Jahren, mich nicht mehr zu verstehen. Und es klappte: Die zusätzlichen Konzerte der Tour mussten abgesagt werden. Zum ersten Mal in meiner Karriere. Denn ich war ja krank. Vieles kann einen krank machen. Lärm, Panik, sogar echte Krankheiten. Jedenfalls manchmal. So kam es, wie es kommen musste. Lukas und ich trennten uns. Weil wir uns nicht mehr verstanden, verstehe das wer will.
Ist das nicht seltsam, wie ich lernte mich nicht mehr zu verstehen. Und das Verrückteste war: dadurch verstand ich später viele Dinge in meinem Leben besser.
Text: Charly Davidson, Verlag: worte&musik © 2004]
Freitag, 13. März 2009
Freitag, der 13. März 2009
In Charlys Bloggbuch werden ab Januar 2009 regelmäßig Texte und Songtexte von ihm veröffentlicht. Heute ist es:
SCHWEREN HERZENS
Schweren Herzens höre ich zu
Die Nachricht setzt mich unter Schock
Die Bilder geben keine Ruh
Jetzt läuft auch mein Körper Amok
Jetzt läuft auch mein Körper Amok
Die Bilder geben keine Ruh
Die Nachricht setzt mich unter Schock
Schweren Herzens höre ich zu
[Text: Charly Davidson aus seinem Gedichtband "Schweren Herzens", Verlag: worte&musik © 1986]
SCHWEREN HERZENS
Schweren Herzens höre ich zu
Die Nachricht setzt mich unter Schock
Die Bilder geben keine Ruh
Jetzt läuft auch mein Körper Amok
Jetzt läuft auch mein Körper Amok
Die Bilder geben keine Ruh
Die Nachricht setzt mich unter Schock
Schweren Herzens höre ich zu
[Text: Charly Davidson aus seinem Gedichtband "Schweren Herzens", Verlag: worte&musik © 1986]
Sonntag, 8. März 2009
Sonntag, der 08. März 2009
MUSIKER MUSIC NEWS berichtet:CHARLY'S STUDIO WIRD LIQUIDIERT
Nun ist es offiziell. Eines der renomiertesten und bekanntesten Tonstudios in Deutschland wird es bald nicht mehr geben: "Charly's Studio" in Hanau-Steinheim. Als einzigen Ausweg aus den finanziellen Problemen nach dem Tode ihres Vaters Karl David Korff / Charly Davidson, dessen Schallplattenlabels CBQ und BEST SIDE RECORDS üerschuldet sind, haben die beiden Töchter des Musikers die Liquidation des Studios inklusive des gesamten Studioinventars und der umfangreichen Musikinstrumentensammlung ihres Vaters, in Auftrag gegeben.
Dort, wo einst nationale wie internationale Musikgrößen ihre Schallplatten produzieren liesen (darunter DEMODE PECH, Roger Watts und 2You), bringt nun die Berliner Firma RETRO SOUND, welche bereits Erfahrung mit der Abwicklung von Studioinventar über das Internet besitzt, in den nächsten acht Wochen im Auftrag der Familie Korff alles unter den Hammer, was Charly Davidson einst hoch und heilig war; eine Verfahrensweise, die in letzter Zeit durchaus üblich geworden ist. 2006 war zum Beispiel das Inventar des Kölner Tonstudios des Produzenten Conny Plank von der Fa. Vintage Music Equipment im Internet versteigert worden.
Davidson gründete das Tonstudio 1986, wunderbar untergebracht in einem ehemaligen Gehöft. „Bei uns ging es immer aufgeregt hektisch zu, denn fast immer waren Musiker zu Gast, die dann auch bei uns übernachteten“, erinnert sich Korffs Tochter Georgia. Die Versteigerung schmerzt Korffs Töchtern natürlich, "... aber wir sehen keinen anderen Weg aus den finanziellen Schwierigkeiten, die uns Vaters Tod gebracht hat", sagt Caroline Korff. Doch nicht alles soll versteigert werden. Kurios: Davidsons Toilette soll ins Rock- und Pop-Museum nach Gronau. Caro klärt auf: "Unsere Toilette war die vielleicht goldigste in ganz Deutschland. Charly hatte Wände und Decke mit Goldfolie tapeziert und hier hingen seine goldenen Schallplatten. Darauf war er mächtig stolz." - Die Auktion läuft noch bis zum 30. Mai 2009.
Abonnieren
Posts (Atom)